Protokoll — Sitzung vom 25. Juni 2026
Tagesordnung
1. Wärmeplanung in Mitte
2. NOVO: IPA-Verfahren, „Siegerentwurf“ und Projektkosten
1. Wärmeplanung in Mitte
Die Klimawende beschreibt den politisch gewollten Wandel hin zur klimaneutralen Gesellschaft. Die dahinterstehende Erwartung ist, dadurch die globale Erderwärmung zu begrenzen, indem man sich von fossilen Energieträgern wie Öl oder Gas mittelfristig verabschiedet. Der Gesetzgeber hat deshalb Städte verpflichtet, in einer kommunalen Wärmeplanung festzulegen, wie ihre Gebäude künftig beheizt werden sollen.
Projektmanager Arne Franke vom Klimastadtbüro stellte den derzeitigen Stand der kommunalen Wärmeplanung in Bremerhaven-Mitte vor. Die favorisierten Alternativen sind der Anschluss an das Fernwärmenetz (Schwerpunkt) sowie die Wärmepumpe.
Die Kosten tragen im Einzelfall die Eigentümer. Es gibt Möglichkeiten der staatlichen Förderung — ähnlich der E-Auto-Förderprämie — worüber man sich beim Klimastadtbüro informieren kann. Einzelheiten der Planung sind dem Folienvortrag Frankes zu entnehmen.
Interessant war zu erfahren, dass Bremerhaven zurzeit 15 % seines Energiebedarfes für das Heizen von Wohnraum über das Müll-Heiz-Kraftwerk (MHKW) an der Hexenbrücke deckt. Dieser Anteil soll im Zuge der Erweiterung des Fernwärmenetzes bis ca. 2040 auf 30 % gesteigert werden. Nach Einschätzung der Experten kann die hierfür notwendige Heizleistung auch auf Basis der vorhandenen Infrastruktur (MHKW) erbracht werden.
Ein Teilnehmer wies darauf hin, dass auch die Erneuerung einer 40 Jahre alten Gastherme zu erheblichen Einsparungen führen könne und damit als Beitrag zur Klimaneutralität anzusehen sei.
Wie die Preisentwicklung bei Fernwärme perspektivisch aussieht und ob es dann günstiger wird als fossile Energieträger, blieb in der Diskussion offen. Dies hängt einerseits von der Zahl der sich anschließenden Haushalte ab, da dies die Netzbetriebskosten senkt. Andererseits ist die Entwicklung der Rohstoffpreise auf lange Sicht nicht abschätzbar. Einen Anschlusszwang an das Fernwärmenetz gibt es im Augenblick nicht.
2. NOVO: IPA-Verfahren, „Siegerentwurf“ und Projektkosten
Das IPA-Verfahren (Integrierte Projektabwicklung) als Alternative zu einem Architekturwettbewerb wird auch in Bremerhaven zunehmend bei öffentlichen Ausschreibungen genutzt, insbesondere für komplexe Bau- und Infrastrukturprojekte. Damit verbunden ist die Erwartung, Kosten besser steuern zu können. Ob dies dadurch gelingen kann, ist umstritten.
Viele Sitzungsteilnehmerinnen und -teilnehmer vermissten einen echten Architekturwettbewerb für den geplanten Komplex auf dem Ex-Karstadt-Grundstück. Gerade beim „Sahnestück“ der städtischen Liegenschaften hätte man sich mehr Bürgerbeteiligung — sprich einen Wettbewerb — gewünscht, war zu hören. Dass alle drei Entwürfe, die in der Gestaltungswerkstatt Ende Mai diskutiert wurden, vom selben Architekten stammten, stieß auf Befremden. Dies sei im Rahmen des IPA-Verfahrens formal-juristisch zulässig, merkte Ralf Ekrowski an. Allerdings blieben Bürgerinnen und Bürger, aber auch die Stadtverordnetenversammlung bei der Mitbestimmung in diesen Projekten weitgehend außen vor.
Ralf Ekrowski durfte Ende Mai erstmals an der Expertenrunde „Gestaltungswerkstatt NOVO“ als Vertreter der STK Mitte teilnehmen — obwohl ein entsprechender Beschluss zur Teilhabe der STK bereits länger vorlag und leider nicht früher umgesetzt wurde.
In der Diskussion war Folgendes unstrittig: Ein Gebäude, das an dieser exponierten Stelle vielleicht 100 Jahre stehen wird, sollte flexibel nutzbar sein, um es im Innern an sich ändernde Anforderungen anpassen und Fläche einzelnen Trägern neu zuordnen zu können. Zwei der vorgestellten Entwürfe erfüllen diese Anforderungen wahrscheinlich nicht, weil die Aufteilung durch die Struktur starr festgeschrieben scheint — in Jugendherberge und Bibliothek.
Als zweiter Punkt wurde die Verbindung durch das Gebäude oder am Gebäude vorbei zum Columbus Center und damit zu den Havenwelten von der Runde als unverzichtbar angesehen. Diese wurde in zwei der Entwürfe bisher nicht ausreichend berücksichtigt.
Ralf Ekrowski betonte, dass die Frage beim vorgestellten „Siegerentwurf“ aus seiner Sicht noch offen sei und hier noch jede Menge Anpassungen im Raum stünden.
Die Frage, mit welchem Personal das geplante Objekt nach 18:00 Uhr offengehalten werden könne und die dadurch entstehenden Betriebskosten, wurde gestreift. In der Diskussion war man sich einig, dass dieser Kostenblock im Hinblick auf die Gesamtprojektkosten eher von untergeordneter Bedeutung sei.
Vor allem der Dehoga-Vertreter Piet Rothe wies darauf hin, dass eine Jugendherberge nicht per se ein Publikumsmagnet sei und wie das Auswanderer- und Klima-Haus die Innenstadt attraktiver machen würde. Die Nachhaltigkeit des Konzeptes „Jugendherberge“ wurde in der Runde angezweifelt, die Bibliothek hingegen begrüßt.
Nach einer Reminiszenz an den Plan der Markthalle verzichtete die Runde darauf, die seit Jahren geführte Diskussion weiter auszudehnen.
Eingangs hatte Ralf Ekrowski darauf hingewiesen, dass der Fahrplan so aussehe, dass am Projekt weitergearbeitet wird, bis es dann im April 2027 — unmittelbar vor den Wahlen zum Stadtparlament — eine abschließende Beschlussfassung zur Umsetzung geben soll.
Wer soll das bezahlen? Nach den vorliegenden Informationen wird das gesamte Projekt die Stadt bis April 2027 ca. 8 Mio. EUR gekostet haben. Die Frage, über die es dann zu entscheiden gilt, wird sein: Sollte sich die Stadt ein solches Prestigeprojekt, das vermutlich in die Nähe von 100 Mio. EUR kommt, im April 2027 trotz einer möglicherweise immer noch bestehenden Haushaltsschieflage leisten? Die Meinungen waren geteilt.
In diesem Zusammenhang wurde erwähnt, dass das Hanse Carré nach aktuellen Informationen verkauft werden soll — woraus sich nach Einschätzung der Runde durchaus andere Perspektiven ergeben könnten, die man dann berücksichtigen sollte.
Weitere Themen wurden der Hitze und der Fußball-WM geschuldet nicht besprochen.
