Stadtsparziergang am 10.9.26, das Protokoll

Der jährliche „Innenstadt-Spaziergang“ mit Analyse der Innenstadt-Entwicklung im Jahreslauf 25/26 gehört für die STK-Mitte zum Pflichtprogramm. Der letzte „Spaziergang“ fand vor gut einem Jahr, am 16.09.2025, statt.

Wie immer ging es darum, gemeinsam mit interessierten Bürgern vor Ort den Stand der aktuellen und in Planung befindlichen Projekte zu begutachten, Kritik und Verbesserungsvorschläge aufzugreifen und Themen für die nächste STK-Mitte zu sammeln.

Die kleine Gruppe, die überwiegend aus Teilnehmerinnen und vereinzelten Teilnehmern bestand, traf sich um 16:00 an der „Bugwelle“ neben dem Theodor-Heuß-Platz. Die frühherbstliche Temperatur war angenehm mild. Allerdings wirkte die nun abgeklungene Hitzewelle in den Köpfen nach, so dass thematisch das Stichwort „Schwammstadt“ (sponge city) in den Fokus unserer Betrachtung rückte.

Bürgerstraße mit Glasarkaden, Bäumen und bemaltem Pflaster
Die Bürger am frühen Abend des 09.09. – noch mit sommerlicher Beflaggung.

Die Gruppe bewegte sich auf den 75 m entfernten – nun wieder mal geschlossenen – Imbiss-Pavillon mittig der Bürgermeister-Smidt-Straße 13 A zu. Die Frage, wie es überhaupt möglich war, an dieser Stelle so einen Glas-Würfel zu errichten, konnte nicht beantwortet werden. Unisono war zu hören, dass der „Road Blocker“ an dieser Stelle überflüssig sei und der Eigentümer – vermutlich die Stadt – mittelfristig überlegen solle, ihn wieder abzureißen. Allerdings befänden sich, wie festgestellt wurde, im Unterbau Toiletten, die für die Bürger so dringend benötigt würden. Gerne wären einige bereit, hier auch einen entsprechenden Obolus zu akzeptieren.

Geschlossener Imbiss-Pavillon (Glas-Würfel) in der Bürgermeister-Smidt-Straße
Der geschlossene Imbiss-Pavillon in der Bürgermeister-Smidt-Straße.

Die links und rechts der Bürger sich längsziehenden Glasarkaden – das gilt von Anfang bis Ende der Innenstadt-Bürger – seien schon ziemlich verdreckt und böten dem Besucher ein eher trostloses Bild. Überhaupt sei der An- und Ausblick der Straße am 09.09. eher mau.

Blick die Bürger entlang mit Werbedisplay und wenig Publikum
Eher mau: Blick die Bürger entlang.

Im Sinne einer klimaresilienten Schwammstadt müsse über die Entsiegelung der Flächen nachgedacht bzw. diese „auf den Weeeg gebracht“ werden. Die ‚Bürger‘ vertrüge schon etwas mehr Grün, vernahm man von zahlreichen Stimmen.

Zum Teil wurde heftig für „mehr Bäume in die Bürger“ plädiert. Allerdings war auch zu hören, dass das grüne Dach der Bürger, solange die Bäume noch Blätter tragen, doch relativ dicht sei und man es bei mehr Grün am Boden – z. B. bei Gras – belassen könne oder es einmal mit mobilem Grün (Pflanzen in Kübeln) versuchen solle.

Mobiles Grün in Pflanzkübeln neben Fahrrad-Sharing-Station und Betonpollern
Mobiles Grün in Kübeln – eine der diskutierten Alternativen.

Angeregt wurde auch, bestimmte Flächen zum Schutz der Besucher vor Starkregenfällen durch Pergolen abzusichern.

Auf jeden Fall müsse die Versiegelung jedoch zurückgefahren werden.

Ohne das gastronomische Angebot im Einzelnen zu bewerten, wurde bemängelt, dass man wohl nach 19:00 in der „Bürger“ kaum noch essen gehen könne, weil die meisten kulinarischen Angebote sich auf die Kernzeiten des Handels reduzieren. Das Angebot nach 20:00 sei doch recht begrenzt, weil die meisten Küchen dann schon geschlossen hätten. Früher war es in Bremerhaven Usus, stets nach 22:00 noch mal auszugehen. Dies wäre heute aus praktischen Gründen – von den Preisen mal abgesehen – gar nicht mehr möglich: „Küche geschlossen“. Mehr Cafés in der Innenstadt wären wünschenswert. Hier sei die „Alte Bürger“ klar im Vorteil.

Den ersten Halt legte die Gruppe bei der „Bürger“ Ecke Kirchstraße ein. Hier stachen die viel zu engen Bürgersteige an den Bushaltestellen ins Auge. Der Verkehr durch die Kirchstraße sollte am besten reduziert und die Bürgersteige auf beiden Seiten im Gegenzug moderat verbreitert werden.

Schmaler Gehweg unter Glasdach an einer Bushaltestelle in der Kirchstraße
Die Bürger….

Ein Abstecher zur „Kirchstraße“ Ecke „Am alten Hafen“ offenbarte dort das gleiche Bild. Die Bürgersteige in der Kirchstraße sind viel zu schmal – teilweise unter 1 m – und stehen nach Beobachtung einiger Teilnehmer an ungünstigen Tagen voll mit Mülleimern, so dass die Straße zu Fuß praktisch nicht passierbar ist. Auch dort sollten die Bürgersteige verbreitert werden.

Schmale Straße Am alten Hafen mit rot verklinkerten Gebäuden
Kirchstraße und Am alten Hafen: schmale Bürgersteige, teils unter einem Meter.

Blickt man dort nach rechts in die Straße Am alten Hafen, so blickt man heute noch auf eine ca. 6 m hohe Wand. Die wird jedoch in wenigen Wochen verschwunden sein, und die Durchfahrt durch diese Straße von Anfang bis Ende wäre zumindest theoretisch wieder hergestellt.

Warum den Busverkehr nicht unidirektional teilweise durch die Straße Am alten Hafen lenken und die Kirchstraße dadurch teilweise entlasten? Dieses Konzept sei verworfen worden, hörte man. Warum nicht noch mal darüber nachdenken und im Gegenzug die Gehwege verbreitern und weiter entsiegeln?

Der Weg führte die Gruppe zurück zum Platz vor der Großen Kirche und dem Werftbrunnen.

Werftbrunnen mit Bronzefiguren von Werftarbeitern vor dem Wasserbecken
Der Werftbrunnen vor der Großen Kirche.

Der Kirchpark sei ein gelungenes Projekt. Er wurde von allen Teilnehmern gelobt. Und nach einem 85-%-Abriss des alten Karstadt-Gebäudes ist sie nun auch endlich zu sehen: die Sichtachse zum Hafen. Zwar gleicht der Platz selbst noch einem Trümmerfeld, aber der malerische Hafenblick wurde wieder freigelegt, und nur am linken Rand schränken noch die Ausläufer des Columbus Centers den Genuss geringfügig ein. In den letzten Wochen haben die Abbrucharbeiten – nach erheblicher zeitlicher Verzögerung – erstaunliche Fortschritte gemacht, und eine Beendigung bis Jahresende scheint, wenn auch mit geringer Wahrscheinlichkeit, noch im Bereich des Möglichen.

Weiter, offener Platz vor der Großen Kirche mit Blick Richtung Innenstadt
Der Platz vor der Großen Kirche – der Kirchpark, von allen Teilnehmern gelobt.
Abrissfläche des ehemaligen Karstadt-Gebäudes hinter einem Bauzaun, im Hintergrund die Große Kirche
Trümmerfeld mit freigelegter Sichtachse: die Abrissfläche des ehemaligen Karstadt-Gebäudes.

Ende gut – alles gut?

Karstadt (heute Novo) war immer das Lieblingsprojekt der STK-Mitte. „Wo stehen wir heute?“, war die Frage, die sich unsere Gruppe stellt. Wir wissen wenig. Sicher scheint zu sein, dass vor den Kommunalwahlen im Frühjahr 2027 eine Entscheidung im Stadtrat herbeigeführt werden soll. Das Projekt sei jetzt beschlossene Sache. Allerdings ist der finale Entwurf noch nicht bekannt. Am 24.09. gibt es eine neue „NOVO-Projektsitzung“, zu der die STK-Mitte eingeladen ist, um neue Erkenntnisse zu vermitteln. Der Rest sei dann eher eine Formalie.

Zwischenzeitlich hört man, dass die Kosten von ursprünglich im Gespräch befindlichen 75 Mio. Euro sich nach neueren Schätzungen auf 90 Mio. Euro (Merke: geschätzt und nicht abschließend) erhöhen könnten.

Der einmal vorgesehene Supermarkt im Novo wandert wohl auf den ‚Eulenhof‘. Dabei scheint die Größe des Novo vermutlich vom Kreuzer zur Korvette zu schrumpfen, um die Kosten des Projektes noch annähernd im Bereich des Vertretbaren zu halten.

Wie soll denn nun die Hülle des NOVO aussehen? Die STK-Mitte ist gespannt auf die neuen Erkenntnisse vom 24.09. Die Erwartungen sind gedämpft.

Vor diesem Hintergrund war sich die Gruppe einig, dass die Finanzierung vielleicht doch noch ein Knackpunkt sein könnte. Es bleibt zu hoffen, dass die politischen Entscheidungsträger im Frühjahr 2027 dann für eine für die Stadt sinnvolle Lösung votieren.

Ralf informierte an dieser Stelle kurz über den Stand des Projektes am Eulenhof. Hier entsteht, soweit uns bekannt, durch einen Privatinvestor ein neuer Hotelkomplex, in dessen Unterbau ein Supermarkt vorgesehen sein soll. Über die eingeschränkt verfügbaren Parkplätze für Hotelgäste hatten wir bereits an anderer Stelle berichtet.

Nach Realisierung der Projekte NOVO und Eulenhof verschwindet der freie Blick auf den Hafen (Sichtachse) leider wieder.

Der Spaziergang endete gegen 17:30 auf Höhe der Keilstraße Ecke Bürger, und die Gruppe begann sich aufzulösen.

Geplant ist eine weitere STK-Sitzung im November, die wir dem NOVO widmen wollen.

Peter Frei