
(Entwurf blrm Architekten im IPA Verfahren)
Wärmeplanung und NOVO
Themen der Sitzung der Stadtteilkonferenz Mitte am 25. Juni 2026
Kommunale Wärmeplanung für den Stadtteil Mitte — Arne Franke vom Klimastadtbüro stellte den aktuellen Stand vor. Der dicht besiedelte Stadtteil bietet sich für den Fernwärmeausbau an. In Mitte-Süd sind bereits viele Straßenzüge angeschlossen, in Mitte-Nord soll der Ausbau folgen. Bürger fragten kritisch nach Bauzeiten und möglichem Anschlusszwang.
NOVO Bremerhaven — Ralf Ekrowski berichtete als Vertreter der STK Mitte über seine Beobachtungen aus der Gestaltungswerkstatt vom 29. Mai 2026. Die Debatte war lebhaft. Die folgende Zusammenstellung dokumentiert die wesentlichen Punkte.
NZ, 26.06.2026 — „In Mitte bietet sich der Ausbau der Fernwärme an“

Arne Franke vom Klimastadtbüro präsentierte bei der STK-Sitzung die kommunale Wärmeplanung für den Stadtteil Mitte. Ergebnis: Der dicht besiedelte Stadtteil ist für den Fernwärmeausbau gut geeignet. In Mitte-Süd sind bereits viele Straßenzüge ans Fernwärmenetz angeschlossen, in Mitte-Nord soll der Ausbau folgen. Das Klimahaus soll künftig über eine Turm-Großwärmepumpe versorgt werden. Bürger fragten kritisch nach langen Bauzeiten und einem möglichen Anschlusszwang. Empfohlene Anlaufstellen: Klima Bau Zentrum am Heuss-Platz (0471 30 94 73 77) und Verbraucherzentrale Bremen, Barkhausenstraße (0421 160 777).
Die vollständige Präsentation mit Kontaktdaten: Wärmeplanung in Mitte
Protokoll des Treffens: Protokoll 25.6.2026
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NZ, 26.06.2026 — „Heiße Debatte ums NOVO in der Stadtteilkonferenz Mitte“

Die STK-Sitzung vom 25. Juni wurde von der NOVO-Debatte dominiert. Ekrowski stellte seine Beobachtungen aus der Gestaltungswerkstatt vor und thematisierte das Demokratiedefizit des IPA-Verfahrens. Bürger kritisierten, daß kein echter Architektenwettbewerb stattgefunden hat und alle drei Entwürfe vom selben Büro stammen. Die Jugendherberge stieß auf Skepsis — Dehoga-Vertreter Piet Rothe bezweifelte, ob das der richtige Nutzungsmix für ein Innenstadtgrundstück dieser Lage sei. Joachim Hertrampf brachte erneut die Idee einer Markthalle ins Spiel. Keiner der Beteiligten hatte eine Antwort auf die Finanzierungsfrage. Die nächste öffentliche Veranstaltung ist am Montag ab 18:30 Uhr im Ella-Kappenberg-Saal — Thema: Bebauungsplan und Eulenhof-Grundstück.

NOVO Bremerhaven — Handzettel zur Sitzung der Stadtteilkonferenz Mitte am 25. Juni 2026
Die drei Kernpunkte
Bei der Gestaltungswerkstatt am 29. Mai 2026 im Timeport wurden drei Entwürfe für das NOVO präsentiert: Baukasten, Haus der Begegnung und Bücherberg. Alle drei stammen von derselben Integrierten Projektallianz (IPA) — also von demselben Konsortium aus Architekten und Bauunternehmen, das auch den Auftrag für den Bau erhalten hat.
Das ist kein Architektenwettbewerb nach RPW (Richtlinie für Planungswettbewerbe). Beim RPW würden unabhängige Büros im Wettbewerb gegeneinander antreten, und eine unabhängige Jury würde den besten Entwurf auswählen. Hier hat die IPA sich ihre eigenen Entwürfe selbst bewertet — nach eigenen Kriterien — und die Jury hat unter diesen drei Optionen gewählt.
Die Pressemitteilung des Magistrats nennt das Verfahren „analog zu einem Architektenwettbewerb“. Analog bedeutet: ähnlich, aber nicht dasselbe.
Das NOVO kostet nach aktueller Schätzung 75 Mio. EUR Baukosten — wobei die Vollkostenschätzung der Architekten bei 90,8 Mio. EUR liegt. Die Differenz von fast 16 Mio. EUR soll durch Optimierung eingespart werden. Was dabei geopfert wird, ist nicht kommuniziert.
Ab 2030 entstehen jährliche Fixkosten von mindestens 3,225 Mio. EUR Grundmiete. Nach Abzug des Jugendherbergen-Anteils verbleiben rund 2,193 Mio. EUR beim Stadtanteil — plus Bewirtschaftungskosten, die in der Kalkulation noch nicht enthalten sind. Mehrkosten gegenüber dem Status quo: mindestens 1,577 Mio. EUR pro Jahr.
Das Problem: Das NOVO soll Ende 2029 öffnen — exakt in dem Moment, in dem der Sanierungsvertrag mit dem Land Bremen die härtesten Einschnitte verlangt. Der städtische Fehlbetrag muss auf 40 Mio. EUR im Jahr 2029 und 25 Mio. EUR im Jahr 2030 gedrückt werden. Die Stadt muss praktisch die schwarze Null erreichen, während das NOVO neue Dauerkosten aufbaut.
Das IPA-Verfahren bindet alle Partner bereits in Phase 1 — bevor ein konkreter Entwurf feststeht, bevor ein Zielpreis existiert, bevor die Stadtverordnetenversammlung über das tatsächliche Gebäude abstimmt. Bis April 2027 fließen 8 Mio. EUR in die Planung. Erst dann stimmt das Parlament ab.
Zu diesem Zeitpunkt sind die bereits aufgelaufenen Kosten so hoch und die vertraglichen Verflechtungen so eng, dass ein Ausstieg politisch nicht mehr vermittelbar ist. Der Bundesrechnungshof hat dieses strukturelle Problem in seiner Prüfungsmitteilung vom Januar 2025 ausdrücklich benannt.
Vier weitere Knackpunkte aus der Gestaltungswerkstatt
Das Karstadt-Gebäude hatte eine Funktion, die selten benannt wird: Es war eine Passage. Eine Verbindung zwischen unterer und oberer Bürger, die die Stadt sich jährlich 114.550 EUR kosten ließ (Tischvorlage V 44/2025). Mit dem Abriss fällt diese Verbindung weg.
Der StVV-Beschluss sieht ihren Ersatz ausdrücklich vor: als Brücke zum Columbus Center und als Eingang im ersten Obergeschoss in Verlängerung der Glasdrehbrücke. Das Columbus Center liegt auf dem Niveau der oberen Bürger — die Brücke ist also der städtebauliche Ersatz für die Karstadt-Passage.
In der Sitzung haben sowohl Tim Grundmann (Einzelhandel) als auch Bürgermeister Neuhoff diese Verbindung angemahnt. Der Eindruck in der Sitzung war, dass dem Architekturbüro die Bedeutung dieser Verbindung und die lokale Topographie nicht vollständig präsent waren. Der einzige Entwurf, der die Bürger-Verbindung strukturell gelöst hatte, war das Haus der Begegnung. Es hat nicht gewonnen.
Ein Dritter Ort, der abends schließt, ist kein Dritter Ort. Das Referenzprojekt DOKK1 in Aarhus — das in jeder NOVO-Präsentation zitiert wird — hat 100 Stunden pro Woche geöffnet. Das erfordert Personal.
Der Vertreter des ASTA der Hochschule Bremerhaven hat in der Gestaltungswerkstatt genau diese Frage gestellt: Was nützt das Gebäude Studierenden, die es abends nicht nutzen können? Eine Antwort hat er nicht bekommen.
Im krassen Widerspruch zum Anspruch eines offenen Dritten Ortes steht der aktuelle Haushaltsplan: Die Stadtbibliothek muss bereits jetzt Personal abbauen — von 26,6 auf 25,6 Stellen — und unterliegt einer strengen Wiederbesetzungssperre. Global streicht die Stadtverwaltung rund 100 Stellen. Für zusätzliches Bibliothekspersonal im NOVO gibt es weder genehmigte Stellen noch das nötige Geld. Das Betreiberkonzept für erweiterte Öffnungszeiten existiert noch nicht — das sagt der StVV-Beschluss selbst.
Der Baukasten ist horizontal geschichtet: drei Etagen Bibliothek, drei Etagen Jugendherberge darüber. Das klingt klar und kommunizierbar. Es bedeutet aber: die beiden Nutzungen sind nicht verschränkt, sondern übereinandergesta-pelt. Getrennte Erschließung, getrennte Betriebszeiten, minimale Synergien.
Die IPA hatte Flexibilität als ausdrückliches Bewertungskriterium festgelegt: „Die gewählte Konstruktion ermöglicht langfristige Nutzungsänderungen oder räumliche Anpassungen ohne große bauliche Eingriffe.“ Der Baukasten erfüllt dieses Kriterium nicht.
Wenn das DJH in zehn oder fünfzehn Jahren aus dem Vertrag aussteigt oder das Jugendherbergskonzept sich nicht trägt, hat die Stadt drei Etagen Hotelzimmer in einem Gebäude, das für öffentliche Nutzung gebaut wurde — ohne die räumliche Verschränkung, die eine Umwidmung erleichtern würde. Der Bücherberg hätte dieses Problem nicht gehabt. Er hat nicht gewonnen.
VOB vs. IPA — wo die öffentliche Kontrolle endet
Das IPA-Verfahren — warum Nein im April 2027 keine Option ist
Checkliste: Was erfüllt der Baukasten — und was muß der neue Entwurf leisten?
Teil 1 — Baukasten gegen die eigenen IPA-Kriterien
Die IPA hat diese Kriterien selbst festgelegt und zu Beginn der Sitzung präsentiert. Gemessen daran ist der Siegerentwurf der schwächste der drei in den funktionalen Kategorien.
| Kriterium (IPA) | Anforderung | Baukasten | Überarbeiteter Entwurf? |
|---|---|---|---|
| Betriebliche Synergien | Personal effizient einsetzen, Wege wirtschaftlich, synergetischer Betrieb beider Nutzer | ✗ Nicht erfüllt — getrennte Etagen, getrennte Betriebszeiten | Offen |
| Flexibilität | Langfristige Nutzungsänderungen ohne grosse bauliche Eingriffe | ✗ Nicht erfüllt — gestapelter Baukörper, keine Verschränkung | Offen |
| Interaktion Erdgeschoss | Funktionen ergänzen sich synergetisch mit dem öffentlichen Raum | △ Bedingt — JH liegt oben, kein Erdgeschossbezug | Offen |
| Erschliessung | Zugänge logisch auf Verkehrsströme abgestimmt | ✓ Erfüllt | Zu halten |
| Stadtbalkon | Attraktiv und funktional angebunden | ✓ Erfüllt | Zu halten |
Teil 2 — Was der überarbeitete Entwurf erfüllen muß
Kombiniert aus IPA-Bewertungskriterien (präsentiert 29.05.2026) und Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 26. Juni 2025 (Tischvorlage V 44/2025). Das sind die Maßstäbe für April 2027.
| Anforderung | Quelle | Warum es zählt |
|---|---|---|
| Aus dem StVV-Beschluss (V 44/2025) — nicht verhandelbar | ||
| Brücke zum Columbus Center | StVV-Beschluss, Abschnitt B + G | Ersatz für die Karstadt-Passage — Verbindung zur oberen Bürger. Das Columbus Center liegt auf dem Niveau der oberen Bürger. |
| Eingang im 1. OG in Verlängerung der Glasdrehbrücke | StVV-Beschluss, Abschnitt B | Zweiter Hauptzugang, der die Verbindung zwischen Havenwelten und Innenstadt strukturell verankert. |
| Durchwegung des Gebäudes | StVV-Beschluss, Abschnitt G | Öffentliche Infrastruktur — nicht verhandelbar. |
| Stadtbalkon | StVV-Beschluss, Abschnitt G | Öffentliche Infrastruktur — nicht verhandelbar. |
| Freiraumachse De Zwarte Hond | StVV-Beschluss, Abschnitt G | Ausdrücklich mandatiert — Verbindung Havenwelten/Innenstadt. |
| Betreiberkonzept für erweiterte Öffnungszeiten | StVV-Beschluss, Abschnitt G | Der Beschluss sagt selbst: noch zu entwickeln. Muss vor April 2027 vorliegen. |
| Aus den IPA-Bewertungskriterien — eigener Anspruch des Verfahrens | ||
| Betriebliche Synergien nachweisbar | IPA-Kriterien, 29.05.2026 | Konkret: Wie teilen Bibliothek und JH Personal, Theke, Veranstaltungsräume? Nicht als Versprechen, sondern als Betriebskonzept. |
| Flexibilität für Umnutzung in 10–15 Jahren | IPA-Kriterien, 29.05.2026 | Was passiert, wenn das DJH aussteigt? Der überarbeitete Entwurf muss das strukturell beantworten. |
| Interaktion im Erdgeschoss | IPA-Kriterien, 29.05.2026 | JH-Gastronomie und Bibliotheksangebote müssen im EG präsent und synergetisch sein. |
| Offene Fragen — vor April 2027 zu klären | ||
| Verbindliche Betreiberpartner für die Labore | StVV-Beschluss, Abschnitt G | Nach zwei Workshops noch keine Zusagen. Ohne Partner kein Dritter Ort. |
| Untermietvertrag Jugendherberge | Tischvorlage V 44/2025 | Verhandlungen noch offen — Konditionen bestimmen die tatsächliche Jahreslast für die Stadt. |
| Kostentransparenz Optimierung | Tischvorlage V 44/2025 | Was wird bei der Reduktion von 90,8 auf 75 Mio. EUR geopfert? Muss öffentlich kommuniziert werden. |
Kostenübersicht
| Posten | Betrag | Anmerkung |
|---|---|---|
| Investitionskosten | ||
| Vollkostenschätzung (Gerber Architekten, Q1/2025) | 90,8 Mio. EUR | nicht darstellbar |
| Politischer Zielpreis (Beschluss StVV 26.06.2025) | 75,0 Mio. EUR | IPA-Deckel |
| Kostenlücke | ~15,8 Mio. EUR | offen |
| Planungsphase 1 (Ausstiegskosten) | 8,0 Mio. EUR | bereits beauftragt |
| Jährliche Folgekosten ab 2030 | ||
| Grundmiete brutto | 3,225 Mio. EUR/Jahr | 30-Jahres-Vertrag |
| Stadtanteil (nach JH-Abzug) | 2,193 Mio. EUR/Jahr | Bibliothek + Infrastruktur |
| Mehrkosten ggü. Status quo — Untergrenze | ~1,577 Mio. EUR/Jahr | mindestens |
| Haushaltlicher Kontext | ||
| Sanierungsdeckel Land Bremen 2029 | 40 Mio. EUR Fehlbetrag | NOVO öffnet 2029 |
| Sanierungsdeckel Land Bremen 2030 | 25 Mio. EUR Fehlbetrag | Fixkosten laufen voll an |
Bei der Recherche sowie der Zusammenstellung der Zahlentabellen und Berechnungen wurde der KI-Assistent Claude (Anthropic) unterstützend eingesetzt. Alle Zahlen basieren auf den angegebenen öffentlichen Quellen. Die inhaltliche Bewertung und die Schlussfolgerungen liegen bei R. Ekrowski. Keine Gewähr für Vollständigkeit oder Richtigkeit der Berechnungen.
